Die Brunnenkatze
Ich saß am Dorfbrunnen, Musik in den Ohren und in Gedanken versunken. Da kam sie direkt auf mich zu. Kurz setzte sie sich neben mich, umrundete mich daraufhin etwa vier Mal.
Wir hatten uns vorher nie getroffen. Sie stellte ihre Vorderpfoten auf einen meiner Oberschenkel und begann zu treteln. Dabei setzte sie die Krallen ein – es tat weh, nur ein bisschen, so wie man es von Katzen kennt. Erst als sie ihren Kopf an meine Hand stieß, streichelte ich sie, ein zufriedenes Abkippen ihres Körpers in meine Richtung bestätigte mir: Forderung erfüllt.
Ich nahm die Ohrstöpsel heraus und sie setzte sich für ein paar Minuten auf meinen Schoß. Sie schnurrte, ich hörte das Plätschern des Brunnens, das leise Rascheln der Blätter und spürte die Wärme der Sonne auf den Pflastersteinen. Meine Gedanken wurden still, die Welt wurde groß. Jede Bewegung, jeder Atemzug bekam Bedeutung, als hätte die Zeit beschlossen, einen Moment lang zu verweilen.
Dann sprang sie wieder herunter. Ich stand auf, wir streckten uns beide. Ich ging in die eine und sie in die andere Richtung. Meine Hose voller Haare, mein Herz voller Glück. Was sie genau empfand, als wir uns entfernten, wusste ich nicht. Schließlich sind Katzen die Coolness in Person.

Geschrieben von b.wiedemann

Der Katzenbrunnen
Am Wöllhauser Platz in Ebhausen steht ein gusseiserner Brunnen mit rechteckigem Trog und markanter Säule, vermutlich aus dem Jahr 1894 und wahrscheinlich von der Firma Benckiser gefertigt. Sicher belegt sind diese Angaben nicht. Früher versorgte er die Anwohner mit Wasser und half im Notfall bei der Brandbekämpfung – wobei das Wasser aus den oberen Brunnen manchmal knapp war, sodass zusätzlich Wasser aus der Nagold herangeholt werden musste.
Heute ist der Brunnen ein historisches Denkmal, das seinen Platz auch dann behauptet, wenn rundherum neue Stellplätze geschaffen oder Parkregelungen angepasst werden. Die Veränderungen des Umfelds beeinflussen ihn nur marginal, er bleibt ein plätschernder Zeuge vergangener Zeiten.
Gelegentlich schaut auch eine Katze vorbei – vielleicht weil man von dort eine tollen Überblick hat, eventuell interessiert am Wasser, manchmal weil sich der Brunnen als Treffpunkt für spontane Begegnungen eignet.
