Mann Hände Jogging
Beine Straße Jogging
Dehnen b/w Jogging

Der Jogger

Manche Menschen joggen für ihre Fitness. Andere joggen für ihren inneren Frieden. Und manche joggen… wegen mir.

Ich war spazieren. Ohne Ziel, ohne Schrittzähler, einfach so. An einer Weggabelung blieb ich stehen, weil ein Zaunkönig sein Solo pfiff. Und in genau diesem Moment kam mir ein Jogger entgegen.
Typ „schon dreimal den inneren Schweinehund geschlagen, jetzt ringt er mit sich selbst“.

Er war platt. Die Schultern hingen, die Beine zu schwer für die Bewegung, die er noch zu imitieren versuchte. Er hatte diesen „Ich-kann-nicht-mehr“-Blick – aber gleichzeitig diesen „Ich-kann-jetzt-nicht-aufhören“-Ausdruck. Denn ich stand da.

Und wenn da jemand steht, kann man als Jogger nicht einfach schlappmachen. Das wäre Niederlage. Ein öffentliches Eingeständnis von Scheitern.
Also kämpfte er weiter.
Er trabte an mir vorbei, mit einem schiefen Nicken und einem Atemzug, der klang wie ein kaputtes Blasebalg.

Ich nickte zurück – mit neutralem Gesichtsausdruck. Nicht mitleidig. Nicht bewundernd. Nur: Ich hab gesehen.

Ich wartete noch. Ich wollte ja eigentlich nur stehen. Aber ich dachte: Er fühlt sich vielleicht beobachtet. Also ging ich ein Stück weiter, damit er denkt: Okay, der ist jetzt weg, der sieht mich nicht mehr.

Und dann, als ich um die Ecke war, drehte ich wieder um. Nicht aus Bosheit – einfach, weil ich ja eigentlich dort drüben beim Zaunkönig stehen, nicht hier drüben wohin gehen wollte. Und da sah ich ihn. 20 Meter weiter. Er war gerade um die Kurve gebogen und… blieb stehen. Keuchend. Schultern nach vorne. Hände in die Hüften. Jogging-Ende.

Er hatte durchgehalten. Bis zum Punkt, an dem er sicher war, nicht mehr gesehen zu werden. Sein Ziel war nicht eine bestimmte Strecke. Sein Ziel war, nicht vor mir aufzugeben.

Vespa Primavera

Geschrieben von b.wiedemann

Statistik Joggen

Jogging-Fakten

Joggen ist die sportliche Tätigkeit, bei der Menschen im Ausdauermodus relativ schnell laufen. Weil viele es tun, begegnet man Joggern in der freien Öffentlichkeit heutzutage überall. Durchschnittliche Laufgeschwindigkeit eines Hobbyjoggers: etwa 8 km/h – sportlich Ambitionierte schaffen locker das Doppelte – und das viel länger als meine kleinen Panikläufe, wenn ich den Bus erwischen muss.

Die Vorteile: Das Herz-Kreislauf-System wird trainiert, Kalorien werden verbrannt. Und man kann dabei so tun, als würde man am gewöhnlichen Fußgänger geschmeidig vorbeiziehen, obwohl man innerlich leidet. Joggen verbessert die Ausdauer, stärkt die Beine und sorgt dafür, dass man auf jeder Parkbank die Fitness anderer beurteilen kann.

Langfristig kann Joggen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen reduzieren – immerhin die häufigste Todesursache. Die Stimmung soll es auch heben. Kurzfristig sorgt es dafür, dass man nach 800 Metern überlegt, warum man nicht einfach zu Hause geblieben ist.

Fazit: Joggen ist anstrengend, gesund, auch langweilig. Joggen kann durch genug Disziplin absurd befriedigend werden.