Bunte Kieselsteine
Viele Kieselsteine

Der Kiesel

Es beginnt beiläufig. Ein kleiner Stein liegt im Weg, und ohne groß nachzudenken, gebe ich ihm einen leichten Stoß mit der Fußspitze. Er rollt ein Stück, bleibt liegen, wartet. Ich komme, kicke ihn wieder an, diesmal gezielter, fast schon mit Absicht. Aus dem Stein wird ein Begleiter. Schritt für Schritt, Tritt für Tritt.

Nach ein paar Momenten kenne ich ihn. Seine Größe, sein Gewicht, die Art, wie er springt. Er gehört plötzlich zur Strecke, als hätte er schon immer dazugehört. Ich achte darauf, ihn nicht zu verlieren, lenke ihn gekonnt an Bordsteinkanten vorbei, schicke ihn über Pflasterfugen hinweg. Ein stilles Spiel, das niemand kommentiert, das aber jeder Junge, jeder Mann kennt.

Und dann passiert es doch: Ein falscher Winkel, zu viel Schwung – der Kiesel rollt ins Gebüsch oder verschwindet klackernd in einem Gulli. Keine große Sache, eigentlich. Aber ich bleibe einen Moment stehen, schaue hin, und merke: Die kleine Gesellschaft ist beendet. Der Weg geht alleine weiter.

Vespa Primavera

Geschrieben von b.wiedemann

Kleinere und kleiner Kiesel

Die kleinen Stoiker der Natur

Kieselsteine sind kleine, glatte Steine, die vor allem aber nicht nur an Flussufern, Seen oder Stränden liegen. Ihre runde Form entsteht durch Jahrtausende der Erosion: Wasser, Sand und andere Steine wirken unermüdlich auf sie ein – sie zeigen Ihre Beständigkeit in der Entropie der Vergänglichkeit. Ganz wie kleine Stoiker ertragen sie die Kräfte der Natur ohne Klage.

Schon die alten Römer nutzten Kiesel für Wege und Mosaike, und viele Kulturen sahen in glatten Steinen Symbole für Ruhe, Beständigkeit und Glück. Heute begegnen wir ihnen in Gärten, Parks, Bastelprojekten oder als Souvenirs.

Kieselsteine sind klein, unscheinbar – und doch faszinierend: Jeder von ihnen erzählt eine Geschichte von Zeit, Natur und Gelassenheit.